Konjunkturrealismus bedeutet: kein Verteilungsspielraum für 2021

Der vbm – Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie e. V. fordert die IG Metall im Zuge der Tarifrunde 2021 zu mehr Konjunkturrealismus auf. „Deren Forderungsvolumen in Höhe von vier Prozent ist in Anbetracht der aktuellen konjunkturellen Lage aus der Zeit gefallen und nicht begründbar. Vielmehr müssen wir die fatale Lohnkostenentwicklung der vergangenen Jahre stoppen, wenn nicht sogar umkehren. Wir haben eine Haltelinie erreicht, das muss allen klar sein“, kommentiert vbm Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.

So liegen die Arbeitskosten in der deutschen M+E Industrie um rund 75 Prozent über dem Durchschnitt der wichtigsten Konkurrenten. Zudem liegt die Produktion aktuell noch um 12 Prozent niedriger als im Vorjahr und der Beschäftigungsabbau setzt sich mit mehr als 3.000 Personen monatlich ungebremst fort. „Bei einem realistischen Blick auf die Unternehmenszahlen der letzten Wochen zeigt sich eines deutlich: Über 80 Prozent der M+E Unternehmen verzeichnen Umsatzrückgänge, im Schnitt um 17 Prozent. Besonders negativ betroffen sind die Automobil- und Zulieferindustrie. Ausgewiesene Gewinne sind zum Teil der Kurzarbeit zu verdanken, reduziert diese doch die Kosten. Der Effekt ist aber nicht nachhaltig“, so Brossardt.

Laut vbm erreichen die Unternehmen das Vorkrisenniveau frühestens 2022, in Teilbereichen deutlich später. „Da die Herausforderung in der Bewältigung der Transformation liegt, begrüßen wir die Entscheidungen des letzten Autogipfels. Diese sind ein Gesamtkonzept zur Zukunftssicherung des Standorts Deutschland. Das ist richtig und schlüssig“, erklärt Brossardt. Unverständnis besteht in diesem Zusammenhang über den Widerspruch der IG Metall, die die beschlossenen Staatshilfen befürwortet, aber gleichzeitig an ihrem Forderungsvolumen festhält. „Hier würde staatliche Förderung für Lohnerhöhungen in einer Hochlohnbranche zweckentfremdet“, so Brossardt.

Besonders unverständlich ist die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung mit Teillohnausgleich. „Das ist unverständlich, für weniger Arbeit kann es nicht mehr Geld geben. Die Folge sind eklatante Wettbewerbsnachteile und steigende Lohnstückkosten in Zeiten der konjunkturellen Krise. Beschäftigungssicherung geht nur über wettbewerbsfähige Unternehmen“, so Brossardt.

Das vbm Kampagnenmotto „Realistisch sein“ fordert die IG Metall auf, anzuerkennen, dass es weiterhin um Krisenbewältigung geht, dass es 2021 keinen Verteilungsspielraum gibt und dass es um die Sicherung von Unternehmen und Beschäftigung geht.

„Wir wollen Planungssicherheit für die Arbeitgeber, ein tragfähiges Ergebnis innerhalb der Friedenspflicht und eine dauerhafte, praktikable und verlässliche Differenzierung für die Unternehmen mit einfachen und automatischen Kriterien“, fordert Brossardt und ergänzt: „In diesen für die M+E Industrie schweren Zeiten brauchen wir für zukunftsfähige Arbeitsplätze flexible Lösungen, Luft für Investitionen und die Gestaltung der Transformation sowie geringere Arbeitskosten.“