Mitgliedsunternehmen haben kein Verständnis für Lohnvorstellungen der IG Metall

Dr. Wolf: „Wir brauchen doch genau das Gegenteil, um Beschäftigung zu sichern: Entlastungen statt noch mehr Kosten“

STUTTGART – Die Mitgliedsunternehmen des Metallarbeitgeberverbands Südwestmetall haben mit großem Unverständnis darauf reagiert, dass die IG Metall in der kommenden Tarifrunde bis zu vier Prozent mehr Lohn fordern will. „Wir sind uns geschlossen einig: In der aktuellen Situation sehen wir überhaupt keinen Spielraum für Kostensteigerungen“, sagte der Verbandsvorsitzende Dr. Stefan Wolf am Donnerstag nach einer Sitzung der Verbandsgremien Vorstand und Mitgliederrat in Stuttgart: „Viele von uns benötigen doch gerade genau das Gegenteil: Entlastungen und niedrigere Arbeitskosten.“

Wolf kritisierte scharf, dass die IG Metall zwar anerkenne, wie viel Beschäftigungssicherung angesichts der immensen Herausforderungen durch Corona und die Transformation, in der sich viele Unternehmen der Metallindustrie befinden, koste: „Aber das Geld dafür will sie erst einmal über eine kräftige Lohnerhöhung bei den Unternehmen einsammeln. An einen eigenen Beitrag der Beschäftigten denkt sie nicht. Das wird so nicht klappen.“

Der Südwestmetall-Vorsitzende warnte eindringlich davor, die passablen Ergebnisse einiger weniger Unternehmen im 3. Quartal als Zeichen einer deutlichen Erholung zu verstehen: „Das wäre ein Riesentrugschluss. Denn diese Ergebnisse sind größtenteils nur durch Einsparungen und Kostenentlastungen zustande gekommen, die nicht dauerhaft und nachhaltig sind.“ Als Beispiele nannte er die Kostenübernahme durch die Arbeitsagenturen bei der Kurzarbeit oder den Wegfall von Messeauftritten und Dienstreisen: „Hinzu kommen die erheblichen Unsicherheiten angesichts des hohen Corona-Infektionsgeschehens. Für das Gros der Firmen wird die vollständige Erholung länger dauern als erhofft. Derzeit kann ich mir nur schwer vorstellen, dass wir in der Fläche vor 2023 wieder das Vorkrisenniveau erreichen.“

Wolf kündigte an, dass die Metallarbeitgeber mit klaren Positionen in die kommende Tarifrunde gehen werden: „Dazu gehören für 2021 neben dem Verzicht auf Kostensteigerungen auch dringende Entlastungen für Firmen, die wirtschaftliche Probleme haben – und zwar automatisch nach klaren Kennzahlen.“ Zudem strebe man – sofern unter Corona-Bedingungen überhaupt verhandelt werden könne – eine möglichst lange Laufzeit an, um den Unternehmen Planungssicherheit bei der Bewältigung der Pandemiefolgen und der Transformation zu geben: „Und wir sollten der IG Metall gleich zu Beginn verdeutlichen, dass wir klare, einfache Tariflösungen wollen, die die Betriebe nicht noch bei der Umsetzung zusätzlich belasten.“

Die Metallunternehmer seien bereit, trotz der äußerst angespannten Lage so viel Beschäftigung wie möglich zu sichern. Dies gelinge jedoch nur, wenn zunächst die Unternehmen selbst auf eine sichere Basis gebracht werden, so Wolf: „Das gelingt aber nur, wenn auch die Beschäftigten einen wesentlichen Beitrag dazu leisten. Und ich bin der festen Überzeugung, dass die meisten unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu auch bereit sind, wenn sie damit helfen, ihre Jobs zu sichern. Nur die IG Metall müssen wir noch zu dieser Einsicht bringen.“