vbm-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt: „IG Metall sollte derzeitige Lage zur Kenntnis nehmen“

Der vbm – Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie e. V. kritisiert die heute von der IG Metall Bayern bekannt gegebene Forderung für die Tarifrunde 2021. „Die IG Metall Bayern sollte die derzeitige Lage zur Kenntnis nehmen. Vier Prozent mehr Entgelt und eine Arbeitszeitverkürzung mit teilweisem Lohnausgleich in der Tarifrunde 2021 passen nicht in die Zeit. Angesichts von Corona, einer schwachen und unsicheren Konjunktur, der Transformation insbesondere in der Automobilindustrie sowie negativer Inflationsrate und Produktivität gibt es keinen Verteilungsspielraum“, kommentiert vbm Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.

Der vbm weist in Anbetracht der konjunkturellen Lage und dem durch die Unternehmen zu stemmenden Strukturwandel auf die falsche Forderung zum falschen Zeitpunkt hin. So erwarten lediglich 17,9 Prozent der Betriebe der bayerischen M+E Industrie Ende 2020 bereits wieder das Vorkrisenniveau in der Produktion erreicht zu haben. Ein gutes Viertel rechnet Ende 2021 damit, für 54,1 Prozent ist eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau derzeit noch nicht absehbar. „Wir müssen die fatale Kostenentwicklung der vergangenen Jahre stoppen. Das Tarifvertragssystem steht an einem Scheideweg. Um die Zukunftsfähigkeit des M+E Standorts und seiner Beschäftigten zu erhalten, brauchen wir neue Ideen und einen gemeinsamen Weg aus der schweren Krise“, erklärt Brossardt und ergänzt: „So liegt die Produktion immer noch 12 Prozent unter dem Vorjahr – die Beschäftigung sinkt monatlich um rund 3.000 Arbeitsplätze. Das ist die Realität. Die IG Metall muss zur Kenntnis nehmen, dass nur verteilt werden kann, was zuvor erwirtschaftet wurde.“

Besonders unverständlich ist für den vbm die Forderung einer Arbeitszeitverkürzung mit teilweisem Lohnausgleich. „Das lehnen wir entschieden ab. Für weniger Arbeit kann es nicht mehr Geld geben. Eklatante Wettbewerbsnachteile aufgrund steigender Arbeitskosten wären die Folge. Im Ringen um Standortverlagerungen ist das ein fataler Fehler“, betont Brossardt.

Der vbm steht klar zur Tarifbindung. Unverzichtbar ist aber, dass der kommende Tarifabschluss mittelstandsgerecht ist. Die differenzierte Lage der Branchen der Metall- und Elektroindustrie und der einzelnen Unternehmen muss adäquat abgebildet sein. „Niemand darf sich wundern, wenn Unternehmen bei diesen Forderungen außerhalb des Flächentarifvertrags größere Erfolgschancen sehen. Wer hohe Tarifbindung haben will, muss etwas dafür tun“, fordert Brossardt und ergänzt: „Wir stehen für die zügige Aufnahme von Verhandlungen und einen Abschluss vor dem Ende der Friedenspflicht bereit.“