Die IG Metall sagt:

"Die Vier-Tage-Woche wäre die Antwort auf den Strukturwandel [...] mit einem gewissen Lohnausgleich für die Beschäftigten."

Hinzu kommt: Bei einem Strukturwandel gibt es Tätigkeiten, die nicht mehr gebraucht werden. Wir müssen alles dafür tun, dass die Arbeitsplätze von morgen hier entstehen.

Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall
Süddeutsche Zeitung vom 16.08.2020

Fakt ist:

Die Möglichkeit, die Arbeitszeit abzusenken, gibt es in den M+E-Tarifverträgen seit 1994.

Ein Lohnausgleich ist dort nicht vorgesehen - und das ist auch richtig so: Er würde nicht nur Arbeitskosten erhöhen und damit genau die Tätigkeiten noch schneller unwirtschaftlich machen, die er zu schützen vorgibt. Sondern er wäre auch ungerecht, denn dann hätten diejenigen, die weniger arbeiten, einen höheren Stundenlohn als diejenigen, die ihre Arbeitszeit nicht reduzieren.

Die IG Metall sagt:

„Die Kaufkraft der Beschäftigten muss gestärkt werden.“

Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall
Frankfurter Neue Presse vom 30.10.2020

Fakt ist:

Warum weigert sich die IG Metall dann kategorisch, den M+E-Beschäftigten durch Steuer- und Beitragssenkungen zu mehr netto vom brutto zu verhelfen? Im Übrigen stärken wir Kaufkraft nur auf eine einzige Weise: wenn wir Arbeitsplätze sicherer machen. Und das hängt ausschließlich daran, dass ausreichend viele Kunden bei uns kaufen, denn die Menge der Bestellungen bestimmt darüber, wieviel Arbeit da ist. Und für jeden Kunden ist der Preis der Ware ein wesentlicher Faktor - ganz egal, ob das ein privater Kunde ist, der Äpfel kauft, oder ein industrieller Kunde, der eine Werkzeugmaschine bestellt.

Die IG Metall sagt:

„Die Tarifrunde muss dazu beitragen, die Beschäftigung und die Einkommensentwicklung zu sichern. Die Produktionsentwicklung und die Auftragseingänge weisen auf eine Erholung der Industrie hin.“

Thorsten Gröger, Bezirksleiter der IG Metall Niedersachsen,
Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 16.10.2020

Fakt ist:

„Weil die Krise wohl deutlich länger dauert und es keine schnelle, V-förmige Erholung gibt, ist ein nochmal verlängertes Kurzarbeitergeld nötig.“

IG Metall Ulm, Südwestpresse, 20.11.2020

Die IG Metall sagt:

„Wir hören jeden Tag von Entlassungs- und Verlagerungsplänen. Insoweit ist der Versuch eines Moratoriums [Tarifrunde 2020] gescheitert. Die IG Metall ist in Vorleistung gegangen, die Arbeitgeber hatten offenbar nie vor, ihrer Verantwortung nachzukommen.“

Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall
Handelsblatt, 16.10.2020

Fakt ist:

Zwischenzeitlich waren 1,5 Millionen Beschäftigte der M+E-Industrie in Kurzarbeit: Die Unternehmen haben die teure Kurzarbeit genutzt, um ihre Belegschaften in der größten Krise der Nachkriegszeit so weit wie möglich halten zu können.

Die IG Metall sagt:

„32 oder sogar nur 28 Stunden Wochenarbeitszeit könnten manchem schlecht ausgelasteten Betrieb helfen, die Belegschaft für bessere Zeiten zu halten.“

Liane Papaioannou, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Pforzheim
Pforzheimer Kurier, 29.10.2020

Fakt ist:

Stimmt. Genau deshalb gibt es bereits den Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung, der das auf individueller betrieblicher Ebene ermöglicht.

Die IG Metall sagt:

„Die Produktivität steigt bei kürzerer Arbeitszeit.“

Liane Papaioannou, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Pforzheim
Pforzheimer Kurier, 29.10.2020

Fakt ist:

Das würde bedeuten, dass die Beschäftigten in weniger Zeit mindestens das Gleiche oder sogar noch mehr produzieren als vorher. Das ist erstens genau die Arbeitsverdichtung, die die Gewerkschaften sonst immer beklagen – und würde in der Industrie nur funktionieren, wenn die Beschäftigten bislang Leerlauf hatten oder langsam gearbeitet haben. Da haben wir eine höhere Meinung von den Beschäftigten.

Wo Unternehmen die Produktivität durch straffere Arbeitsabläufe steigern können, haben sie es längst getan. Diese Produktivitätsgewinne sind längt tarifpolitisch umverteilt.

Die IG Metall sagt:

„Eine Vier-Tage-Woche würde die Kosten reduzieren, wobei 20 Prozent weniger (Entgelt) nicht hinnehmbar sind.“

Liane Papaioannou, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Pforzheim
Pforzheimer Kurier, 29.10.2020

Fakt ist:

Das Durchschnittseinkommen der Metaller liegt bundesweit bei rund 60.000 Euro (in Baden-Württemberg noch mal deutlich höher). Auf eigenen Wunsch ein paar Stunden weniger zu arbeiten ist damit kaum eine finanzielle Frage.

Der Sinn einer kürzeren Arbeitszeit bei Unterauslastung ist es, die Liquidität der Unternehmen zu schonen. Wer Arbeit verteuert, erreicht das Gegenteil.

Die IG Metall sagt:

"Seit 2018 gab es keine Erhöhung der Entgelte."

metallnachrichten 2/2020, IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt

Fakt ist:

Das ist sachlich falsch: Seit 2019 gibt es das T-Zug, außerdem gab es Einmalzahlungen von 400 Euro. Alleine das T-Zug macht eine Erhöhung von 2,08 Prozent aus. Die ist dauerhaft und tarifdynamisch, wirkt also wie eine Tabellenerhöhung. Außerdem war die M+E-Industrie 2019 in einer Rezession, seit 2020 gar in der tiefsten ihrer Nachkriegsgeschichte.